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Historie

Vorstellung des Volksbildungswerk e.V.

Das Volksbildungswerk Haßfurt e.V. basiert auf der „Kulturgemeinde Haßfurt", die sich im Oktober 1949 aus einer privaten Initiative gründete. Die Nachkriegszeit war kulturell eine trostlose Öde, die Menschen hungerten förmlich nach kulturellem Erleben. Es gab weder Kino, noch Fernsehen, ein bisschen Radio, an Theateraufführungen oder Konzerten in der Provinz war gar nicht zu denken.

Aber es gab in Haßfurt und Umgebung schillernde Figuren. Zum Beispiel den Schauspieler Will Zimmermann und den Bariton Ludwig Seuffert, der wiederum mit dem operettenbegeisterten Friseurmeister Carl Rotermundt befreundet war. Und da war auch das „Dreigestirn" des Gymnasiums: Studiendirektor Alfred Reichert (Deutsch, Geschichte, Erdkunde), der zum Motor der Erwachsenenbildung wurde, der Mathematiker und Physiker Dr. Adolf Hedrich und der unvergessene Kunsterzieher Willi Röder, der aber bereits 1952 auf tragische Weise mit seinem Motorrad tödlich verunglückte. 

Zur Gruppe gehörte auch der Rechtsanwalt Hans Kram, der ein begeisterter Hobby-Astronom war, und Oswald Amberg, der im Stadtrat eine Art Kulturreferenten-Funktion inne hatte. Bei der Gründungsversammlung der Kulturgemeinde im Hotel „Post" - heute steht hier der Kupschmarkt - schlug Reichert eine Persönlichkeit zum 1. Vorsitzenden vor, die aus Würzburg gekommen war und zur Gallionsfigur wurde: Alfons Maria Krafft, Schulrat und damals schon Chorleiter des Gesangvereins 1864. Zweiter Vorsitzender wurde Alfred Reichert selbst.

Weil das Geld fehlte, wurden Veranstaltungen mit eigenen Kräften arrangiert. Willi Röder hielt Kunstvorträge und Malkurse ab, Hans Kram referierte über Astronomie und mit zu den Höhepunkten zählten Liederabende mit dem Bariton Ludwig Seuffert. Der Saal im Hotel „Post" war mit 40 bis 50 Leuten stets voll besetzt, mehr gingen nicht rein. Einer der eifrigsten Besucher war Konsul Ostermeyer. Dessen Schwiegersohn war in Hamburg Geographieprofessor, und so kam es, dass dieser Professor erster Gastreferent in Haßfurt wurde.

Im Mai 1952 wurde Alfred Reichert zum 1. Vorsitzenden gewählt. Rechtsanwalt Hans Kram arbeitete eine neue Satzung aus, denn man wollte sich dem Bayerischen Volkshochschulverband, der sich schon 1946 gegründet hatte, anschließen. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Oktober 1952 wurde die Umbenennung von Kulturgemeinde in „Volksbildungswerk Haßfurt" vollzogen und Reichert wurde wieder erster Vorsitzender. Als Stellvertreter taucht ein Name auf, der nochmals deutlich macht, welche starke Persönlichkeiten und künstlerische Potenzen in der Gruppe steckten: Jobst von Zanthier. Von Zanthier war nach dem Kriege als erster Landrat von den Amerikanern eingesetzt worden, ehe er von Heinrich Schulz abgelöst wurde.

Jobst von Zanthier war einst Schauspieler und Regisseur bei der UFA in Berlin. Ihm wurde nachgesagt, er sei der „Entdecker" der berühmten Marlene Dietrich gewesen. Im Schloß von Schmachtenberg in Zeil ließ er sich nieder. Da von Zanthier vom Film kam, lag es nahe, dass er bald einen Filmclub (1953) ins Leben rief. Er organisierte die künstlerisch wertvollen Filme, die im Zentralsaal oder auch später in den „Rex-Lichtspielen" zur Aufführung kamen, wobei es auch passieren konnte, dass die Köpfe lang und die Figuren breit verzerrt auf der Leinwand erschienen, weil ein Objektiv fehlte. 

Mit den Namen Ludwig Seuffert und Jobst von Zanthier steht eine weitere VBW-Premiere im engen Zusammenhang. Die Oberthereser Schloßkonzerte. Der Schmachtenberger Baron konnte die Verbindung zum Oberthereser Schlossherrn von Swaine herstellen. Und so kam es 1958 zum ersten Schloßkonzert: Ein Eichendorff-Abend mit dem Bariton Ludwig Seuffert und dem Rezitator Jobst von Zanthier. 

Alfred Reichert blieb erster Vorsitzender bis 1979, also 27 Jahre, ehe ihn Dr. Josef Fächer ab- und „erlöste". Der unvergessene Gymnasiallehrer Dr. Josef Fächer war Vorsitzender bis zu seinem Tode im August 1992. Gewaltig angestiegen waren die Leistungen und Angebote des VBW mit unzähligen Kursen, Vorträgen, Seminaren, Kultur-Fahrten oder Konzerten, letztere fabelhaft inszeniert durch den noch heute aktiven Jörg Michael Krug. Und derjenige, der über 40 Jahre (ab 1958) das VBW verkörperte, war Willi Schnitzer, der Geschäftsführer. 1992 ging die Führung des VBW nahtlos an Ingrid Fächer über, die Witwe des verstorbenen Josef Fächer. Im neuen VBW-Heim Mainmühle konnte sie zusammen mit dem Geschäftsführer und Finanzchef Alfred Wagner und Brigitte Pollach zu weiteren Höhenflügen ansetzen. 

Die Stadt Haßfurt hatte in den Jahren 1999 und 2000 die Mainmühle, deren Ursprünge ins Jahr 1420 zurückreichen und die ihre Blütezeit im 16. Jahrhundert hatte, durch den Architekten Joachim Veith für damals 3,7 Millionen Mark zu einem Schmuckstück herrichten und umbauen lassen. Die einstige Mühle fand Anfang des 20. Jahrhunderts als Azetylen-Gasanstalt - es wurde Licht in Haßfurt - eine weitere Nutzung. 1922 zog der städtische Bauhof in die Mainmühle ein, wo er bis zum Neubau südlich der Augsfelder Straße im Jahr 1996 in ziemlich unwürdigen Verhältnissen untergebracht war.

Jährlich über 5000 Besucher
Durch die erweiterten Räumlichkeiten in der Mainmühle und das hohe Engagement des Leitungsteams, überwiegend in ehrenamtlicher Tätigkeit , sowie dem Kursmanagement vor Ort, war es möglich, Zug um Zug das Kurs- und Veranstaltungsangebot zu erweitern, was zuvor in der Schule am Ziegelbrunn, die man sich mit der Grundschule sowie der Waldorfschule teilen musste, in dem Maße nicht möglich war. Die Zahl der Veranstaltungen hat sich in den letzten zwölf Jahren vervierfacht! Heute bietet das VBW von Englisch bis Shi Zen Tai, von Kochen über Lachseminar bis zur Rückenschule pro Semesterhalbjahr rund 200 Kurse an.

Die vom VBW veranstaltete, klassische Konzertreihe mit erstklassigen Interpreten wird mit etwa fünf bis sechs Veranstaltungen im Jahr fortgesetzt, ebenso werden Museumsfahrten und Fahrten zu den Konzerten der Bamberger Symphoniker organisiert. Regelmäßig ist das VBW das Forum für historische, zeitgeschichtliche oder medizinische Vorträge - teils in der Mainmühle, teils in der Stadthalle. Alle diese Kurse und Veranstaltungen werden im Jahr von über 5000 Bürgerinnen und Bürgern besucht.

Das VBW ist ein gemeinnütziger Verein, der sich als Teil des Volkshochschulverbandes die Erwachsenenbildung zum Ziel gesetzt hat - und zwar für Jedermann finanzierbar. „Lebenslanges Lernen" ist das Schlagwort. Um auch weiterhin in diesem Zentrum für Erwachsenenbildung fruchtbar tätig sein zu können, ist ein starker Verein die Voraussetzung und Grundlage. Deshalb wäre es gut, wenn sich noch mehr Bürger/innen der Stadt und der Stadtteile dem VBW als Mitglied - und damit auch als aktiver „Weichensteller" - anschließen würden. 

Im Dezember 2007 gab Ingrid Fächer ihr Amt des ersten Vorsitzenden ab an Bürgermeister Rudi Eck. Ingrid Fächer wurde ob ihrer großen Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt.

60 Jahre VBW
Das Jahr 2009 wird ganz im Zeichen „60 Jahre VBW“ stehen. Bei allen Veranstaltungen wird an dieses Ereignis hingewiesen und erinnert werden. Im Juli 2009 wird sich das Volksbildungswerk mit seinen umfangreichen Aktivitäten bei einem Tag der offenen Tür der Bevölkerung präsentieren. 


Bilder

Die Vorstandschaft des Volksbildungswerkes mit (von links) dem 1. Vorstand Bürgermeister Rudi Eck, seiner Stellvertreterin Brigitte Pollach, dem Geschäftsführer Alfred Wagner, der früheren Vorsitzenden Ingrid Fächer und dem Kulturreferent Jörg Michael Krug.
Das Angebot des VBW ist vielseitig. Zum Beispiel Tango Argentino, ein Tanzkurs, bei dem die Teilnehmer eine fundierte Einführung in den klassischen, argentinischen Nationaltanz bekamen.
Begeistert dabei sind die Kinder beim Töpfern mit Helga Stegner.
Nur noch die historischen Außenmauern der alten Mainmühle am Gries blieben beim Umbau in den Jahren 1999 und 2000 stehen. Sie wurde zum idealen Haus des Volksbildungswerkes.